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Es ist fünf vor zwölf / Alexander Mayrhofer

foodservice - 2023-03 - Seite 136-137: Sinnvoll oder für die Tonne? Die Neuordnung der Kochausbildung spaltet die Gemüter. Alexander Mayrhofer hat dazu eine klare Meinung. Der Hotelmanager über das Aussterben des Kochberufs, echtes Handwerk und was für ihn in Sachen Ausbildung ein großer Sprung nach vorn gewesen wäre. Mayrhofer setzt in den Thüringer Waldkliniken Eisenberg Hospitality auf Hotelniveau um und gilt als Vorreiter in der Branche> Herr Mayrhofer, vor einem knappen Jahr wurde die neue Verordnung für Ausbildungen in der Hotellerie und Gastronomie bekannt gegeben. Was halten Sie rückblickend davon? Ehrlich gesagt war ich darüber erschrocken, denn in meiner Wahrnehmung hat sich nichts Substanzielles verändert. Ich glaube jedoch, dass es einen großen Wurf gebraucht hätte, um die Branche zu retten - also etwas Mutiges. Steht die Branche denn Ihrer Meinung nach am Rande des Abgrunds? Wenn man in den Medien verfolgt, dass Betriebe massiv Öffnungszeiten kürzen, dass Restaurants komplett schließen, weil sie sich personell nicht stemmen lassen, würde ich schon sagen, dass es fünf vor zwölf ist, wenn nicht sogar später. ... Sie hatten die Kernproblemlagen des Berufs angesprochen. Welche sind das? Auf jeden Fall die Wertigkeit des Berufs in der Gesellschaft. Nun mögen manche einwenden, dass man die nicht messen könne, und da stimme ich zu. Ich habe jedoch den Eindruck, dass der Beruf des Kochs nicht das hohe Ansehen genießt, das ihm eigentlich gebührt. Es ist ein Handwerk im besten und wunderbarsten Sinne des Wortes. Allerdings finde ich nicht, dass der Beruf, so wie es jetzt gelehrt wird, dem gerecht wird. ... Woran hapert es dann? In der Ausbildung müsste sich wiederfinden, dass man über diese Zeiten hinausdenkt. Dass man daran denkt, was ich machen kann, wenn ich 40 oder 45 bin, zwei schulpflichtige Kinder habe und nicht mehr jedes Wochenende arbeiten möchte. Das berücksichtigt die Ausbildung nicht. Es geht vielmehr darum, Köche auszubilden, die bis zur Rente Köche bleiben sollen. Doch davon gibt es nur sehr wenige, um es vorsichtig zu formulieren. Selbst wenn sie ihren Küchenmeister machen, bieten sich ihnen zwar mehr Möglichkeiten, die aber trotzdem auf die Küche reduziert sind. Und auf dieselben familienunfreundlichen Arbeitszeiten. ... ff

 

 

  

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