· 

Wilmina Berlin: Poesie hinter Gittern

hotelbau - 2022-05 - Seite 34-39: Diesem Projekt konnten sie nicht widerstehen: Wo das Interesse der Investoren angesichts hoher Komplexität endete, fing die Faszination für die Berliner Architekten Prof. Almut Grüntuch- Ernst und Armand Grüntuch an. Daher gingen sie kurzerhand selbst unter die Hoteliers und küssten dabei ein vergittertes Dornröschen aus dem Schlaf> ... Seit 1985 diente die Anlage dann nicht mehr dem Strafvollzug. Ein und aus ging man nur noch im Vorderhaus, das bis 2010 ein Archiv des Grundbuchamts beherbergte. Dann kam das Berliner Architekturbüro Grüntuch Ernst ins Spiel. „Ein Investor beauftragte uns, den leer stehenden Teil der Liegenschaft zu entwickeln. Das Gefängnis selbst hatte für ihn keinen wirtschaftlichen Wert. Das Volumen war zwar riesig, bot aber wenig Raum zur Nutzung. Die Wände waren unglaublich dick und die Fenster lagen zu hoch. Trotzdem konnte das Gebäude nicht abgerissen werden, denn es stand - wie auch das einstige Gericht - unter Denkmalschutz. Kurzum: Es gab viele Probleme, die nicht sofort gelöst werden konnten. Der Investor verlor also bald das Interesse, aber unsere Neugierde wurde immer größer", erinnert sich Armand Grüntuch. ... Für die Neukonzeption der Haftanstalt galt es, die Raumkonfiguration und ihre Bedeutung umzukehren, damit aus einem antisozialen Ort der Isolation eine Stätte der Interaktion, aber auch des bewusst gewählten Rückzugs entstehen kann. Dabei war den Planern ein sensibler Dialog mit den vorhandenen Strukturen und den Spuren der vergangenen Nutzung wichtig. Mit dieser Maßgabe haben sie Räume, Materialien und Funktionen ständig neu überdacht und neu verhandelt. ... ff

 

 

  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0