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Aufgedeckt - von Küchenchef Björn Grimm: Wenn die Arbeit süchtig macht

Küche - 2022-07 - Seite 12-: Jeder kennt ihn - den Gastronomen, der das ein oder andere Mal zu tief ins Glas schaut. Oder die im Lager gefundene angebrochene beziehungsweise leere Weinflasche, die man niemanden zuordnen kann. Offizielle Zahlen zur Sucht in der Gastronomie gibt es jedoch nicht. Auch deswegen nicht, weil es keine strukturierten und gewollten Erhebungen darüber gibt, wie viele Mitarbeiter:innen innerhalb der Gastronomiebranche regelmäßig zu diversen Suchtmitteln greifen. Vielleicht ist der Alkoholmissbrauch noch das geringere Übel, glauben die, die nicht wissen, was die egalisierte Form der Betäubung wirklich bedeutet. Welche Wucht und welches Leid sich mitunter über die betroffenen Personen, Familien und auch ihre Betriebe ergießt. Die ständige Verfügbarkeit und Versuchung als Damoklesschwert! ... Die Probleme sind bekannt. Und sorgen irgendwie gefühlt auch schon immer für Diskussionen, wenn es um die Gerechtigkeit am Arbeitsplatz geht. Oder auch für Tuscheleien, wenn ein Kollege als suchtgefährdet identifiziert wird. Hier bleibe ich bewusst in der männlichen Form, denn Alkoholismus ist statistisch gesehen ein männliches Problem. Aber was haben wir in den vergangenen Jahren dafür getan, um diesen Herausforderungen zu begegnen? ... Das Thema braucht eine weitaus größere Plattform, als eine Abschlussarbeit an der Hotelfachschule. Ich wünsche mir einen schonungslosen Umgang mit den Symptomen und Hintergründen. Macht die Arbeit in den Betrieben etwa süchtig, weil die Arbeitsbedingungen und -belastungen auch ein Teil der Problematik sind? Sind wir als Führungskräfte sensibilisiert und auch vorbereitet, mit dieser Problematik, die sich zunehmend aufbaut, auch umgehen zu können? ... ff

 

 

  

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