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Frauen in der Gastronomie: Kolumne Steffen Sinzinger

Küche - 2022-06 - Seite 13-: Männer sollten eigentlich nicht versuchen zu erklären, warum so wenig Frauen in Profiküchen arbeiten. Diese Frage können Frauen selbst besser beantworten. Auch warten Männer bei ihren Erklärungsversuchen gerne mit allerlei Klischees auf: die harte Arbeit, der raue Umgangston, dass fehlende Durchhaltevermögen bei langen Schichten und die tägliche Herausforderung, sich immer wieder behaupten zu müssen. Das sind alles Stereotype, die auf Knopfdruck aus allen Ecken zu hören sind, wenn Köche denn gefragt werden. Je höher man in die Sphären der Gastronomie vordringt, umso rarer ist das weibliche Geschlecht vertreten. Lediglich zwei Damen sind unter den 100 Best Chefs 2022 zu finden. 2019 erhielten insgesamt 298 Männer einen oder mehrere Sterne im Guide Michelin. Weibliche Sterneköchinnen gab es gerade einmal elf. Das sind aufgerundet 4 Prozent. Natürlich gibt es Frauen in der Spitzengastronomie. Medial sind sie allerdings absolut unterpräsentiert. Sie erhalten viel seltener Preise. Selbst die Jurys sind bei den entsprechenden Events nicht gleichberechtigt mit Frauen besetzt. Männer fördern in der Gastronomie eher Männer. Was sind weitere Gründe für die Abstinenz der Frauen in der Gastronomie? Vielleicht ist es so, dass Frauen in einer männerdominierten Küche eher als Fremdkörper gesehen werden und daher nicht immer die gleiche Unterstützung erhalten. Daher ist ein Aufstieg für eine Frau um ein Vielfaches schwerer. Außerdem dürfte in vielen Köpfen fest verankert sein, dass „der Küchenchef" meistens ein Mann ist. Da ist die Anpassung der Sprache, das Gendern, also nur der Beginn einer langen Kette von Maßnahmen, die folgen müssen, damit die Frauen in der Küche aufschließen können. Was sonst noch getan werden sollte? …ff

 

 

  

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