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Krankenhausverpflegung: Es ist ein Trauerspiel / Martin Rücker

Küche - 2022-04 - Seite 16-17: Der Journalist, Buchautor und Verbraucheraktivist Martin Rücker diskutiert in seinem neuen Buch „Ihr macht uns krank" konkrete Vorstellungen für eine bessere Krankenhausverpflegung. Wir haben den Ex-Geschäftsführer von Foodwatch dazu interviewt > KÜCHE: Herr Rücker, Sie schreiben in Ihrem Buch: ,,Krankenhausessen kostet nicht nur Lebensqualität, sondern auch Menschenleben. Das hat mit dem zu tun, was die Menschen am Klinikbett bekommen - und mehr noch mit dem, was sie nicht bekommen." Das möchten wir genauer wissen. Was steckt dahinter? MARTIN RÜCKER: Zahlreiche Studien belegen, dass etwa jeder vierte Patient bei Aufnahme in die Klinik mangelernährt ist. Das bedeutet nicht nur unterernährt. Gemeint ist eine kritische Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen, die auch Übergewichtige betreffen kann. Kommt dann noch eine Erkrankung dazu, hat der Mangel gesundheitliche Folgen. Vor allem in der Inneren Medizin, bei Krebserkrankten und alten Men- ... Was hat die Studie konkret ergeben? Die Ergebnisse sind beeindruckend: Patienten, die in der Klinik eine kompetente Ernährungstherapie erhielten, hatten nach 30 Tagen ein um 21 Prozent niedrigeres Risiko für schwerwiegende Komplikationen oder eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Das Risiko, in diesem Zeitraum zu sterben, war sogar um 35 Prozent niedriger als bei den Menschen in einer Vergleichsgruppe, die einfach die übliche Krankenhauskost bekamen. Und das waren nur die Effekte während der kurzen Zeit des Klinikaufenthalts. Wenn auch in Pflegeheimen auf eine bedarfsgerechte Ernährung geachtet würde oder ambulante Patienten bei Bedarf verlässlich eine Ernährungstherapie von ihrer Krankenkasse finanziert bekämen, könnte wohl noch deutlich mehr erreicht werden. In der Klinik ist die individuelle Betrachtung der Bedürfnisse ganz entscheidend. Ein Patient sollte bei der Aufnahme auf Mangelernährung gescreent, sein Bedarf an Nährstoffen ermittelt, natürlich auch Geschmacksvorlieben berücksichtigt werden - und dann eine auf ihn abgestimmte Kost erhalten, vielleicht auch gezielt angereicherte Zwischenmahlzeiten. Ein gutes Küchenteam kann hier die richtigen Speisepläne entwickeln und umsetzen. Wenn man es nur ließe. ... ff

 

 

  

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