· 

#Monotalk: Gemeinwohl-Bilanz - Interview mit Christiane Hütte, Inhaberin Boutiquehotel Villa Orange

Top hotel - 2022-01/02 - Seite 26-29: Die Betriebswirtin und frühere Marktforscherin Christiane Hütte hat im Jahr 2000 in Frankfurt am Main das persönlich geführte Boutiquehotel Villa Orange mit 38 Zimmern eröffnet. Im Gespräch mit Tophotel erläutert sie, weshalb sie vor zwei Jahren beschloss, eine Gemeinwohl-Bilanz für ihr Hotel zu erstellen, welcher Aufwand dahintersteckt, was dabei genau geprüft wird und warum sie glaubt, dass der Bilanzierungsprozess auch für andere Hotels ein lohnender Schritt sein könnte. > Tophotel: Frau Hütte, wie sind Sie auf das Thema Gemeinwohl- Ökonomie (GWÖ) aufmerksam geworden? Christiane Hütte: Ich habe mein Unternehmen von Beginn an nach ethischen Grundsätzen ausgerichtet und bin beispielsweise schon lange im Netzwerk Achtsame Wirtschaft (NAW) aktiv. Außerdem ist die Villa Orange seit 2009 Mitglied bei der Wertegemeinschaft der Biohotels. Somit engagiere ich mich schon seit längerem im Bereich Nachhaltigkeit. Als ich hörte, dass der österreichische Autor Christian Felber 2010 als Vision das Konzept eines alternativen Wirtschaftssystems entwickelt hat, war ich sofort daran interessiert. Ich fand den Gedanken spannend, nicht den Gewinn, sondern das Gemeinwohl zum obersten Ziel der Villa Orange zu ernennen. Die Hotellerie ist eine sehr konservative und vom Wachstum getriebene Branche. Die Gemeinwohl-Ökonomie dagegen beruht auf Gemeinwohlstreben und Kooperation. Gerade angesichts des drohenden Klimawandels und der endlichen Ressourcen sollten die Paradigmen Wirtschaftswachstum und Gewinnmaximierung endlich infrage gestellt werden. Stattdessen sind schon wieder die nächsten Hotelprojekte in der Pipeline. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie mehr Einzug in die Hotellerie hielte. Was ist das Besondere an der Gemeinwohl-Ökonomie? Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, in dem das gute Leben für alle das oberste Ziel ist. Kern des Modells ist, dass Unternehmen, die nachhaltig und sozial wirtschaften, in einer Gemeinwohl-Ökonomie im Vorteil sind. Normalerweise bilanziert ein Unternehmen nach Gewinn und Verlust. Die Gemeinwohl-Bilanz misst Erfolg nach neuen Maßstäben: Nicht der Finanzgewinn ist oberstes Ziel, sondern die Mehrung des Gemeinwohls. Die Gemeinwohl-Bilanz soll aber nicht die Geld-Bilanz ersetzen, sondern ergänzen! ...ff

 

 

  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0