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HDV-Chef Jürgen Gangl: "Die personelle Situation ist ein Desaster"

Cost & Logis - 2022-01 - Seite 2-3: Jürgen Gangl ist Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV). Im Interview spricht er über die Personalkrise in der Hotellerie, neue Ausbildungskonzepte, Gehälter, Digitalisierung und Leadership. > Gehälter, Digitalisierung und Leadership. Herr Gangl, der Mangel an Fachkräften in der Hotellerie war vor der Pandemie kritisch, jetzt ist er dramatisch. Wie stellt sich die Situation aus ihrer Sicht dar? Dramatisch ist untertrieben. Die Personalsituation in der Hotellerie ist ein Desaster, in das wir sehenden Auges hineingeraten sind. Schon vor der Pandemie gab es in der Branche erheblichen Mangel an Fachkräften. Mittlerweile finden wir überhaupt keine Mitarbeiter mehr. Das gilt auch für viele Unternehmen aus der Zulieferindustrie. Und auch in vielen anderen Branchen werden Mitarbeiter händeringend gesucht. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Republik. Der personelle Ausverkauf ist kurzfristig nicht zu stoppen. Welche Möglichkeiten bleiben? Das ist schwierig. Wir haben es vor der Pandemie nicht geschafft und schaffen es jetzt erst recht nicht. Es gibt kaum noch Menschen, die wir ansprechen und für einen Job begeistern können. Wir bekommen so gut wie keine Bewerbungen - auch, weil die Hotellerie ein schlechtes Image hat, unter anderem als Niedrig- lohn-Branche verschrien ist. In der Pandemie wurde deutlich, dass wir in der Politik kein Standing haben und keinen Respekt genießen. Wir waren die letzten, die nach dem Lockdown wieder öffnen durften - nach Friseurbetrieben und Bordellen. Und dass, obwohl der Besuch eines Hotels nachgewiesen sicher ist. Welche Konzepte sind mittel- und langfristig Gefragt, um das abwandern in andere Branchen zu stoppen? Wir müssen dringend an unserem öffentlichen Auftritt arbeiten, um mit Vorurteilen aufzuräumen, die sich verfestigt haben. Es ist zum Beispiel nicht wahr, dass in der Branche durchweg zu wenig bezahlt wird. Gute Betriebe zahlen ihren Mitarbeitern längst auskömmliche Gehälter, schreiben Dienstpläne weit im Voraus, sorgen für Fünf-Tage-Wochen und Überstundenausgleich in Form von Geld oder Freizeit. ...ff

 

 

  

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