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Die Preisschraube muss sich drehen

First Class - 2021-12 - Seite 9-: Der Winter naht. Ich suche einen warmen Pullover. Für eine Handvoll Kunstfaser, die in einem Billiglohnland verwebt wurde, nimmt man in der mittleren Preisklasse mindestens 45 Euro. Zum Pullover leiste ich mir eine Gasheizung. Greta Thunberg hat es mir verziehen. Als Klima-Ausgleich musste ich den Handwerkern zwischen 35 und 65 Euro Lohn, natürlich plus Mehrwertsteuer, bezahlen. Gut aufgewärmt übernachte ich am Wochenende in einem 4-Serne-Hotel für 53 Euro. Frühstück und Steuer inbegriffen - minus Portalprovision. Kein Einzelfall. Wir hatten in der Pandemie ausreichend Zeit um zu optimieren, renovieren und um nachzudenken. Warum haben wir diese Zeit nicht genutzt, auch mit Hilfe der Verbände, unseren Gästen zu vermitteln, dass wir unsere Preise deutlich erhöhen müssen, um unseren Mitarbeitern eine zeitgemäße Vergütung zu zahlen? Gehälter entstammen unseren Kassen! Wenn wir nicht zeitnah unsere Übernachtungspreise deutlich anheben, werden die Direktoren die Betten bald selbst machen müssen. Die Vorstände und Aktionäre werden es wohl kaum übernehmen. Wir liegen bei den Hotelpreisen auf den letzten Rängen im europäischen Vergleich. Gleichwohl haben wir mit unter die höchsten Baupreise. Dennoch bauen die Low- Budget-Ketten Häuser und Zimmer im 4-Sterne-Standard und vermarkten diese dann zum 2-Sterne-Preis. Kaum ein Hoteldirektor kennt seine Minutenpreise pro Mitarbeiter. Würden sie für ein Zimmermädchen bei 25-minütigem Einsatz einen üblichen Handwerker-Stundenlohn ansetzen, könnte es sein, dass sie ihre Kalkulation über Bord senden. ... ff

 

 

  

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