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# Monotalk: Interview zur Zukunft des Reisens - Zukunftsforscher Horst Opaschowski

Top hotel - 2021-10 - Seite 18-21: Der renommierte Zukunftsforscher Horst Opaschowski ermittelt seit Jahrzehnten Stimmungen und Trends in Deutschland und hat mit seinen Prognosen Weichen für politische Entscheidungen gestellt. Im Tophotel- Gespräch erklärt der 80-jährige Direktor des Opaschowski Instituts für Zukunftsforschung (O.I.Z.), welche Bedeutung Mobilität für das Glücksempfinden der Menschen hat, wie sich die Bedürfnisse der Reisenden durch die Pandemie verändern, und er wirft einen Blick in die Zukunft der Branche in einem Open-Air-Zeitalter. Tophotel: Herr Opaschowski, Sie haben gerade Ihren Urlaub am Mittelmeer verbracht - wie wichtig sind Mobilität und das Reisen Ihrer Meinung nach für uns Menschen? Horst Opaschowski: Mobilität ist ein urmenschliches Bedürfnis. Die Menschen waren mobil, ehe sie sesshaft wurden. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Mobilität, des Ortswechsels und der großen Wanderungen. „Travel“ und „Travail“, Reisen und Arbeiten, haben die gleiche Wortwurzel und deuten auf das gleiche Phänomen hin: Der Mensch kann auf Dauer nicht ruhig und untätig in seinen eigenen vier Wänden verweilen. Deshalb wird auch eine lang anhaltende Pandemie das menschliche Mobilitätsbedürfnis nicht außer Kraft setzen können. Im Übrigen gilt: Ein Reiseverzicht auf Dauer käme einer Amputation des Selbstwertgefühls und des persönlichen Wohlergehens gleich. Die Menschen würden unter schmerzhaften Entzugserscheinungen leiden - genauso wie bei einem plötzlichen Leben ohne Fernsehen, ohne Handy oder ohne Internet. Wie eine schleichende Epidemie würde sich die Angst ausbreiten, im Leben etwas zu verpassen. Als Zukunftsforscher beschäftigen Sie sich mit der Analyse und Prognose möglicher zukünftiger Entwicklungen - was hat Sie an diesem Beruf gereizt? Historiker wollte ich einmal werden, Zukunftsforscher bin ich geworden. Das ist kein Zufall: Wer nicht zurückschauen will, kann auch nicht nach vorne blicken. Beide Aspektbereiche sind fast schicksalhaft miteinander verbunden und profitieren auch voneinander. Gerade im Rückblick auf Krisen und Katastrophen kann ich als Historiker und Futurist zugleich konkrete Antworten auf Fragen geben: Wie haben die Menschen bisher in ähnlichen Situationen reagiert? ...ff

 

 

  

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