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Interview: Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland, Otto Lindner - „Die Krise ist noch nicht vorbei“

AHGZ - 2021-35/36 - Seite 16-17: Herr Lindner, seit einigen Wochen können Hotels auch wieder für touristische Übernachtungen öffnen. Wie ist die Lage insgesamt? Die Antwort auf diese Frage ändert sich manchmal sogar stündlich. Natürlich waren wir alle unglaublich erleichtert, als wir endlich nach sieben langen Monaten der Verzweiflung wieder Hoffnung schöpfen konnten. Der Restart im Mai/Juni war föderal sehr unterschiedlich. Einige Bundesländer waren Vorreiter, andere haben das Erträgliche und auch Vernünftige zu weit ausgereizt, selbst da, wo die Inzidenzen sehr niedrig waren. Grundsätzlich profitieren die klassischen Urlaubsregionen auch in diesem Jahr vom starken Trend zum Inlandstourismus. Zunehmend lässt sich feststellen, dass der Städtetourismus ebenfalls zurückkommt. Das Mice-Geschäft und die Business-Reisen sind verhalten steigend, der Herbst verspricht in der Vorausbuchung eine gute Entwicklung, die allerdings durch die tägliche Nachrichtenlage auf wacklige Füße gestellt wird. Viele Ferienhotels bekommen mehr Anfragen als in den Vorjahren. Können sie damit die Ausfälle des Lockdowns ausgleichen? Das wird sich noch zeigen, es ist zu früh für eine Prognose. Wir hatten wie im letzten Jahr einen guten Start im Mai, aber danach bis Mitte Juli ist zum Beispiel auf Sylt deutlich hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Wir brauchen jetzt eine starke Nebensaison im Herbst und Winter, damit wir die Lockdown-Ausfälle hoffentlich teilweise aufholen können. Bei den Stadthotels gab es zuletzt kleine Zeichen der Erholung, etwa in Hamburg oder München. Wie beurteilen Sie die Entwicklung? Rundweg positiv, aus eigener Erfahrung kann ich etwa aus Hamburg berichten, dass wir wieder Monatsbelegungen von über 50 Prozent erreichen, was wir lange Monate nicht mehr gehabt haben. Aber wir liegen damit natürlich noch immer erheblich unter dem Vor-Corona-Niveau. Wie wird das unter dem Strich in diesem Jahr bei den Schlüsselzahlen ausgehen? Die KPIs (Leistungskennzahlen) können ganzjährig nicht das Niveau des Jahres 2019 erreichen, hoffentlich haben wir einen guten Endspurt ohne zunehmende Restriktionen oder gar einen weiteren Lockdown. ...ff

 

 

  

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